DIE  SCHNEEWANDERUNG:

Es war ein kalter Winter und wir hatten in diesem Jahr Schnee im Überfluss. Der kleine Kegelverein, in dem wir seit einiger Zeit Mitglied waren, wollte eine Schneewanderung veranstalten. Für Buddel voll Schluck zum warm werden wollte man schon sorgen. Auch sollten die Kinder auf ihre Kosten kommen, indem wir Schlitten für sie mitnahmen. Ich war wenig begeistert von der Idee, da ich noch nie viel für Kälte, geschweige denn Schnee, übrig hatte. Aber ich schloss mich der Mehrheit an wie das so Brauch ist. Unsere kleine Senta ließen wir bei den Großeltern, da es sicher zu anstrengend für sie gewesen wäre. Cora war begeistert und schmierte die Kufen ihres Schlittens mit Wachs ein, damit er richtig sausen konnte, wie sie meinte. Dick angezogen ging es dann zum Treffpunkt. Eine volle Stunde marschierten wir dann durch den eisigen Winterwald, die Kinder auf den Schlitten hinter uns herziehend und hin und wieder kleine Abhänge mit ihnen hinunterfahrend.  Ich war schon nach kurzer Zeit völlig durchgefroren und da ich nicht dem Korn frönte, wie die anderen Herrschaften, sehnte ich mich nur sehnlichst nach dem  Gasthaus, in dem es sicher etwas warmes zu Trinken geben würde. Einer aus unserem Kegelklub, ein recht grobschlächtiger Kerl, ging auch geradewegs so mit unserer Cora um. Sie wurde von ihm durch den Schnee gejagt, eingeseift oder kurzerhand mit dem Schlitten durch Fußtritt umgekippt. Was ihm einen riesigen Spaß bereitete, brachte unsere Cora zum weinen. Immer wieder trat ich als Schlichter ein, obwohl ich ihm am liebsten eine geknallt hätte. Als wir das Gasthaus endlich erreichten, dachte ich schon mit Schrecken an den langen Rückweg. Durchhalten war nur noch die Devise! Der Rückweg war dann noch schlimmer, da der besagte Herr im Gasthaus seinen Alkoholkonsum um einiges aufgestockt hatte. Er war anscheinend der größte Held und Spaßmacher der Nation, der nach seinen groben Übergriffen meiner Tochter gegenüber auch noch Bemerkungen machte, wenn sie weinte, wie: „Nun hab dich nicht so du Mimose!"  Dann passierte das Schlimmste. Er packte Coras Schlittenseil und rannte mit ihr wie ein Wilder davon, quer durch den Wald. Der Schlitten schlitterte, bis sie vor Angst aufschrie und er sich halb totlachte. Ich lief hinterher um Schlimmeres zu verhindern, aber an einem Abhang ließ er sie plötzlich los und Cora, die den Schlitten noch nicht richtig steuern konnte, kippte seitlich um und kugelte in einen Eisbach hinein. Da lag sie nun pitschnass im Eiswasser und schrie aus Leibeskräften. Ich dachte ich müsste den Kerl erwürgen und hätte es auch getan, wenn er nicht so groß und breit gewesen wäre. Zudem ließ er auch noch den blöden Spruch ab: „In Russland baden viele Leute im Eiswasser, dass härtet ab und ist gesund für den Kreislauf!" Gott sei Dank war es nicht mehr sehr weit zum Wagen und wir rannten mit unserer Tochter, die wir in unsere Mäntel gewickelt hatten, zum Auto. Dort zogen wir sie ganz aus und hüllten sie in eine trockene Wolldecke, die einer im Kofferraum liegen hatte. Dann ging es schnell Heim in die heiße Badewanne. Zum Abschied sagte die Truppe noch: „Das war aber ein schöner Tag, das sollten wir öfter machen!"           ICH  GLAUB  ICH  SPINNE !
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