BESUCH  IM  KRANKENHAUS:

Mein Mann Karl lag mit einer bösen Virusgeschichte im Krankenhaus. In den ersten Tagen besuchte ich ihn immer allein. Erst als es ihm etwas besser ging nahm ich auch die Kinder mit. So war Senta zum ersten male in einer Klinik und fand alles schrecklich aufregend. Sie schaute sich das Krankenzimmer ganz genau an. „Mama, die haben aber komische Garderobenständer hier.", meinte sie, während sie ihren Mantel auszog. Ich war etwas irritiert, denn ich konnte keinen Garderobenständer ausmachen. Da sah ich mit Entsetzen, wie sie verzweifelt versuchte ihren Mantel an den Tropfständer vom Nachbarbett zu hängen. Etwas später wollte sie unbedingt wissen, wie denn hier die Toiletten aussähen. Das wunderte mich nicht weiter, denn meine Tochter hatte die seltsame Angewohnheit überall erst einmal die WC-Anlagen zu überprüfen. Es war ein regelrechter Tick von ihr. Also ging ich mit ihr auf den Gang hinaus um sie zur Toilette zu begleiten. Als sie dort auf ihrem Thrönchen saß, entdeckte sie die Klingel an der Wand und schon wollte sie darauf herumdrücken. Schnell hielt ich ihre Fingerchen fest und erklärte ihr, was es damit für eine Bewandtnis hatte. Die Ellenbogen auf den Knien, das Köpfchen in die Hände gestützt, dachte sie eine Weile über das Gesagte nach. Als ihr plötzlich an der Decke eine Art Klappe auffiel. Da schlug sie sich vor den Kopf und rief begeistert: „Jetzt verstehe ich! Wenn man hier auf den Knopf drückt, geht oben die Klappe auf und die Schwester kommt!"
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