PUTZTAG:

Putzen ist für mich Strafarbeit, oder besser ausgedrückt, ich hasse putzen. Trotzdem muss es schließlich einmal getan werden. So lege ich immer einen Putztag mit der ganzen Familie ein, wo wir wirbeln wie die Wilden. Dann hat das leidige Putzen für eine Zeitlang erst mal wieder Pause. An diesen obligatorischen Putztagen ärgert es mich immer wieder, dass unsere große Tochter nicht in der Lage zu sein scheint auch nur das Nötigste in ihrem Kinderzimmer aufzuräumen. Jegliche andere Arbeit schien ihr wesentlich mehr Spaß zu bereiten. So wollte sie mir beim Fensterputzen, Gläserpolieren oder ähnlichen Dingen behilflich sein. In Anbetracht dessen was dabei herauskommen würde, sagte ich rigoros - NEIN -. Nach langem Hin und Her, ich hatte so gar keinen Erfolg mit dem Vorschlag ihr eigenes Zimmer in Ordnung zu bringen, bot sie mir an die Treppe zu putzen. Ich gab mich geschlagen und stimmte zu. Was sollte sie da schon falsch machen dachte ich und gab ihr einen Putzlappen in die Hand. So hielten wir gemeinsam unseren Putztag ab. Ich brachte das Wohnzimmer auf Hochglanz, mein Mann putzte die Fenster in der oberen Etage und Cora unsere Treppe. Nach einer Weile kam Cora zu mir in die Stube und sagte: „Fertig Mama! Die Treppe glänzt so doll wie sie noch nie geglänzt hat!" Das Wunderwerk wollte ich mir ansehen. Es stimmte tatsächlich! Gerade wollte ich Lobeshymnen erheben, als mein Mann Karl nach getaner Arbeit die Treppe nach unten betrat. Er schlitterte nach links, dann nach rechts, ruderte hilflos mit den Armen in der Luft herum um schließlich unsanft auf dem Po zu landen. Mit ungläubigem Blick klammerte er sich am Geländer fest, um nicht noch weiter die Treppe hinunter zu rutschen. Im Zeitlupentempo drehte ich mich zu Cora um und schrie dann unwillkürlich los: „Was hast du mit der Treppe gemacht?", was lediglich zur Folge hatte, dass unsere Tochter bitterlich zu weinen anfing. Sie hatte es ja nur gut gemeint. Es stellte sich heraus, dass unsere Cora zwei Flaschen Möbelpolitur auf der Treppe verwendet hatte, um sie schön glänzend zu bekommen. Den restlichen Tag kämpfte ich mit den dicken Schlieren auf den Treppenstufen, um sie wieder begehbar zu machen. Sollte meine Tochter mir wieder mal beim Putzen helfen wollen, werde ich sie zum Teufel jagen. Ihr Zimmer ist übrigens immer noch nicht aufgeräumt.
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