DAS PUZZLE:

Cora war eine begeisterte Puzzlespielerin. Auf allen möglichen Trödelmärkten kauften wir Puzzlespiele, da ihr die alten schnell langweilig wurden. So hatte sie bald eine beachtliche Sammlung von den für mich persönlich nervtötenden Dingern. Aber das Kind konnte sich stundenlang damit beschäftigen, was nur ein Vorteil war. Wieder einmal gerieten wir in einen Neupuzzleengpass und unsere Tochter war dementsprechend schlecht zufrieden. Den ganzen Tag löcherte sie mich mit der Frage, „Wann kaufen wir denn ein neues Puzzle?" Als Karl abends in einem wissenschaftlichen Buch las, schaute ihm Cora über die Schulter und sah das Bild eines Skeletts, dass ihre Aufmerksamkeit erregte. „Was ist das?" - „ Ein Skelett mein Kind. So heißt das Knochengerüst des Menschen. So sieht jeder Mensch von innen aus." Cora sah erst an ihrem Vater, dann an mir, dann an sich selbst herunter und meinte: „Wir aber nicht, aber egal. Gibt es denn so etwas wirklich bei Menschen?" Mein Gatte nahm sie daraufhin auf seinen Schoss und erklärte ihr anhand des Buches genau die Beschaffenheit des Menschen. „Ich habe aber so ein Skelett noch nie richtig gesehen.", warf sie ihm anschließend vor. „Wo kann man denn so etwas in echt sehen Papa?" Ich traute meinen Ohren nicht als mein Mann ihr lachend erklärte: „Auf dem Friedhof tief unter der Erde". Dann erklärte er ihr auch noch lang und breit das die Knochen nicht wie bei dem Skelett im Buch fest aneinander sind, sondern wenn man sie anheben würde auseinanderfallen würden. Nun hatte ich aber genug! Das Kind würde noch seelischen Schaden nehmen nach seinen Ausführungen. Ich hatte mich schon aus dem Sessel erhoben um einzuschreiten, da hörte ich meine kleine Tochter begeistert sagen: „Au fein Papa! Lass uns eben zu einem Friedhof fahren und mit der Schaufel tief graben. Wenn wir ein Skelett gefunden haben, nehmen wir es mit nach Hause und werfen alles durcheinander, dann habe ich ein neues tolles Puzzle!"
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