UNSER ZWEITES BABY:

Es hatte endlich geklappt. Begeistert erzählten wir unserer Tochter die Neuigkeit. Als aufgeklärtes Kind steuerte sie sogleich auf meinen Bauch los und küsste ihn innig. Das tat sie dann zu jeder Stunde und Gelegenheit egal, wo wir uns gerade befanden. Eine äußerst peinliche Sache, zumal man in den ersten Monaten das Corpus Delicti noch nicht sehen konnte. Ihr Tun erntete dann unverständliche Blicke der Anwesenden und trieb mir die Schamesröte ins Gesicht. Endlich war es soweit, unser zweites Baby sollte geboren werden. Karl war dieses mal bei der Geburt dabei und es lief alles wie am Schnürchen. Beim zweiten Kind geht also alles besser. Karl war mir eine große Hilfe bei der Geburt und nicht so nervig wie andere Väter im Allgemeinen sich bei der Geburt benehmen. Kaum war unser Baby abgenabelt, nahm er es auch schon in den Arm  und marschierte damit  im Kreissaal auf und ab, in angeregter Zwiesprache mit unserem Baby. Dabei teilte er mir so ganz nebenbei mit, dass es sich um ein Mädchen handele. Die Gleichberechtigung meines Mannes ging mir langsam zu weit. Selbst der Arzt fragte, ob er das Baby denn auch mal der Mama zeigen könne. Ein wenig verärgert über die Störung der Zwiesprache mit seinem Kind, ließ er sich dennoch dazu herab mir einen kleinen Blick auf das Kind zu gönnen. Erst als der Arzt ihm das Kind entriss und es mir in den Arm legte, konnte ich unsere Senta in Augenschein nehmen. Das hatte ich nun davon. Erst die Arbeit das Produkt herzustellen und dann wird es einem schon aus der Hand genommen. Am dritten Tag ich verließ ich die Klinik mit Kind, schließlich wurde ich zu Hause auch von Cora gebraucht. Cora war eine engelsgleiche Schwester, zumal ihr Wunsch nach einem Schwesterchen in Erfüllung gegangen war. Wenn ich zusah wie sie Senta die Windeln wechselte, hatte ich zwar große Bedenken sie würde ihr irgendwann die Beine ausrenken, doch Senta schien sehr gelenkig zu sein. Coras Freundinnen kamen, um das Baby zu bewundern. Sie führte sie an die Kinderzimmertür, öffnete sie nur einen Spalt breit und ließ alle nacheinander einen kurzen Blick hineinwerfen. Das war dann alles! Als sich die Freundinnen zu Recht beschwerten, meinte sie altklug: „Man darf nicht alle fremden Leute zu einem Baby lassen, das gibt nur Bazillen.", damit begleitete sie ihre Freundinnen zur Tür hinaus. „Wo kommen wir denn da hin, wenn alle unser Baby anfassen wollten", meinte sie kopfschüttelnd zu mir, als sie Senta aus dem Bettchen nahm und ihr einen herzhaften Kuss mitten auf den Mund schmatzte.
19