ERSTER KINDERGARTENTAG:

Wir zogen in ein anderes Dorf um. Es war etwas größer und vor allem gab es dort Kinder mir denen Cora spielen konnte. In unserer ehemaligen Umgebung wohnten nur ältere Herrschaften und wir befürchteten das unsere Cora eine Neurose bekommen würde. Schließlich gab es uns sehr zu denken, dass sie schon eine unsichtbare Katze hatte, mit der sie spielte und sprach. Auch wurde unser Kind im neuen Dorf gleich in den Kindergarten geschickt, das war ein einschneidendes Erlebnis für Mutter und Kind. Wird sie es schaffen den ganzen Vormittag von der Mama getrennt zu sein? Oder anders ausgedrückt, würde ich es schaffen? Fast schon enttäuscht war ich, als es Cora von Anfang an dort gefiel und sie meinte, ich könne ruhig nach Hause gehen. Für Zuhause hatte ich mir so viel vorgenommen, wenn Cora erst mal im Kindergarten wäre, doch ich kam zu nichts. Immer musste ich daran denken, was mein armes Kind wohl durchstehen musste ohne die Mama an ihrer Seite. Endlich wurde es Mittag und ich holte meine Kleine wieder ab. Eilig schloss ich mein Kind, von dem ich so lange getrennt war, in meine beschützenden Mutterarme. Zuhause fragte ich vorsichtig, wie es ihr denn dort gefallen habe. Sicherlich würde sie nun weinen und mich bitten, nicht mehr dahin zu müssen. Auch würde sie erzählen, wie die anderen bösen Kinder sie geärgert hätten. Mein armes Kind! Doch Cora schaute mich strahlend an und berichtete: „Da war es richtig schön Mama, nur ein Mädchen hat ganz tüchtig geweint, weil man ihr den Pfirsich weggenommen hatte. Aber ein Junge hat gleich gewusst, wer das gewesen ist und er hat es der Tante auch gesagt." Ich hatte es doch gleich geahnt, dass es dort ungezogene und rohe Kinder gab und fragte gleich nach: „Wer hat das denn getan?" - „Na, ich natürlich!", war die strahlende Antwort meiner Tochter. „Aber nicht schimpfen Mama, den Apfel den du mir mitgegeben hast, habe ich auch brav gegessen."
14