SAMMELLEIDENSCHAFT:

Wie schon eingangs erwähnt war unsere Cora ein höchst intelligentes Kind. Das war so ungeheuer praktisch, man konnte ihr so Mancherlei beibringen. Sie holte alles auf Kommando her, sang mit einer lieblichen Stimme alle Kinderlieder fehlerfrei nach und vieles mehr. Ein echter Sonnenschein also.  Wenn dann Besuch erschien wurde das komplette Programm heruntergespielt wie in einem Zirkus. Beifall heischende Blicke in Richtung Publikum und zufriedenes Grunzen  unserseits, wenn dem Gast das Programm gefiel. Aber auch Eigeninitiative brachte unsere Tochter auf. Sie sammelte zum Beispiel leidenschaftlich Steine aller Art. Die Sammlung nahm mit der Zeit eine beachtliche Größe an, sodass wir schon an einen Ausbau des Kinderzimmers dachten. Sie wird bestimmt mal Archäologin, meinten wir stolz und konnten nicht ahnen, dass wir mit dieser Theorie so gar nicht verkehrt lagen. Peinlich genau wurde jeder Stein in einem Regal aufbewahrt. Nur der längliche Stein den sie auf dem Gartenweg bei den Großeltern fand, machte mich dann doch stutzig. Sie wollte ihn auf gar keinen Fall hergeben, nicht einmal um ihn bewundern lassen, wie ich ihr versicherte. Er sei etwas ganz Besonderes, gab sie mir zu verstehen. Als ich endlich doch geschafft hatte mich des Steines zu bemächtigen, sah ich die Besonderheit sofort und verfrachtete ihn schnellstens in den Mülleimer. Das Geheul meiner Tochter war so laut und herzzerreißend, dass auch die Gartennachbarn aufmerksam wurden. Böse schaute man zu mir herüber. Wie konnte ich meinem Kind das antun, wo doch jeder wusste wie sie an den gefundenen Objekten hing. Ich war mir meiner Schuld, angesichts des immer noch heulenden Kindes wohl bewusst, doch sollte ich das Kind weiter mit dem vertrockneten Hundeköttel spielen lassen?
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