AUF DEN HUND GEKOMMEN:

Eine Nachbarin hatte in den Ferien einen Hund in Pflege genommen. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden gewesen, wenn dieser Hund der in einem Zwinger auf dem Hof untergebracht war, nicht jede Nacht durchgejault und gebellt hätte. Nach vier solchen Horrornächten hatte ich die Nase voll. Mein Vorschlag dem Krach ein Ende zu bereiten, indem ich mich bereit erklärte den Hund mit in meine Wohnung zu nehmen, wurde dankbar angenommen. Das Tier schien ihnen nur eine Last zu sein. Der Hund war vor Freude völlig außer sich, als ich ihn aus dem verdreckten Zwinger holte. Zuhause sah ich es als angebracht an, den Hund erst mal zu baden und ihm seine Zecken zu entfernen. Bald hatten wir ein sauberes Tier, das äußerst anhänglich war und Cora hatte einen neuen Spielgefährten. Doch sollte dieses liebe Tier mir wohl eines der widerlichsten Erlebnisse meines Lebens bescheren! Eines Tages, ich war in der Küche beschäftigt und Cora krabbelte zu meinen Füßen herum. Da sah ich, dass ihre Mundwinkel braun verschmiert waren und sie schien an etwas zu lutschen. Komisch, ich hatte doch gar keine Schokolade im Haus. Um mich zu vergewissern was sie da im Mund hatte, steckte ich kurzerhand meinen Finger in ihren Mund und schleckte ihn anschließend prüfend ab. Nein, das war keine Schokolade! Es war etwas widerliches und undefinierbares! Ein Kampf mit meiner Tochter war unausweichlich. Sie wand  sich auf den Boden,  fest entschlossen nichts aus ihrem Munde preiszugeben. Ich mühte mich ab, das, was es auch immer sei, aus ihren Mund herauszubekommen. Schließlich hatte ich es mit roher Gewaltanwendung geschafft. Bei näherer Betrachtung des Korpus Delikti wurde mir speiübel. Meine Tochter hatte eine Zecke zerbissen! Kübelweise Fruchtsaft sollte uns von dem üblen Nachgeschmack befreien. Das eine Mutter in den ersten Jahren mit ihrem Kind vielerlei Erfahrungen sammeln konnte war mir klar,  doch das dazu auch das Abschmecken von Hundeblut gehörte, war mir bis dato neu. Als mein Mann abends die Geschichte erfuhr und befriedigt feststellte, dass der Kopf der Zecke mit herausgekommen war, sagte er mit einem Lächeln: „Guten Appetit noch nachträglich!" Wer den Schaden hat,  braucht für den Spott eben nicht zu sorgen.

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