CORAS ERSTE WEIHNACHT:

Wir waren schrecklich aufgeregt. Das erste Weihnachtsfest mit unserem kleinen Sonnenschein. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Natürlich würden alle Verwandten kommen um den heiligen Abend bei uns zu verbringen. Der Weihnachtsbaum sollte riesig sein, bis an die Decke reichen und bunt geschmückt werden, damit eine unauslöschlicher Erinnerung in ihrem Herzen bleibt. So suchten wir dann den geeigneten Baum, doch keiner war schön genug. Endlich hatten wir unser Prachtstück gefunden. Es war eine Heidenarbeit das riesige Ding aufzustellen, doch mein Karl hat es dennoch geschafft. Aber ausgerechnet am heiligen Abend hatte  Karl tagsüber Dienst,  wo ich doch noch so viel vorzubereiten hatte. Emsig zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und herlaufend, hörte ich in der Küche plötzlich einen dumpfen Fall und gleich darauf das Schreien unserer Tochter. Ich rannte ins Wohnzimmer und konnte kaum glauben was ich sah.  Cora lag unter dem umgestürzten Tannenbaum und schrie wie am Spieß. So hektisch ich mich auch bemühte, ich bekam den schweren Baum nicht wieder aufgestellt. Lediglich hochhalten konnte ich ihn, damit Cora  darunter frei lag und herauskrabbeln konnte. Doch sonst so emsig im Krabbeln, rührte sich unsere Tochter diesmal nicht von der Stelle und blieb einfach schreiend liegen.  Ich versuchte sie ziemlich unsanft mit den Füßen unter dem Baum herauszutreten,  aber sie wehrte sich heftig und krabbelte wieder zurück unter den Baum.  Ich hätte verrückt werden können.  Auch verließen mich bald meine Kräfte. In meiner Verzweiflung trampelte ich wie eine Wilde auf den Fußboden herum, damit unser Vermieter unter uns aufmerksam werden würde und als Retter bei mir oben erschien. Als der Baum schon bedenklich aus meinen Händen rutschte, stand er endlich in der Tür. Er erfasste sofort die Lage und befreite Cora und mich von dem schrecklichen Baum. Als wir feststellten das Cora nichts wesentliches passiert war,  fiel mir ein Stein vom Herzen.  Unser Vermieter schaute sich noch einmal den Prachtbaum an und meinte dann abfällig:               „Größer ging der Baum wohl nicht?",  dass stach in mein Mutterherz.  War ich nun wieder Schuld an allem? Nein, natürlich war es Karl,  warum war er auch nicht zu Hause, wenn man ihn brauchte!    
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