EIN GANZES PAPA - KIND:

Die Zeit verging und unsere Cora war nun schon vier Monate alt. Aber immer noch  nicht alt genug, dass der Besuch weniger wurde. Alles nette Menschen, die nach der Kleinen sehen wollten. Menschen, die sich vorher bei uns ziemlich rar gemacht hatten. Wieder einmal hatten wir die Wohnung voller Besucher und alles drehte sich um das herzige Baby, dass allein schon quirlig genug war. Alle Bemühungen, das Kind mittags schlafen zu legen, schlugen fehl. Dafür sorgten schon die lieben Gäste, denen man das Kleine keine Minute entreißen konnte. Es fielen intelligente Sätze, wie: „Möchtest du Heia machen? Nein nicht?  Bei Tante auf dem Schoss ist es doch viel feiner.  Tante singt dir auch ein Liedchen vor.....usw." Abends kam Karl nach Hause und unsere Cora führte einen regelrechten Freudentanz auf. Sie benahm sich wie ein junger Hund der nach langer Trennung sein Herrchen wieder sah. „So hat sie sich bei mir noch nie gefreut.", schoss es mir durch den Kopf. Aber schließlich war ich bisher auch nicht einen Tag lang von ihr getrennt gewesen, beruhigte ich mich wieder. Da stellte der liebe Besuch auch schon fachmännisch fest: „Ein ganzes Papa-Kind die  kleine Cora.", und fanden das ausgesprochen nett. Ich glaubte mich verhört zu haben als auch noch kam: „Bei der Mama hat sie noch nicht einmal Mittagsschlaf machen wollen die Kleine." Ich war dem Platzen nahe! Karl brachte unsere Cora ins Bett und alles war Friede, Freude Eierkuchen. Unsere Cora schlief friedlich ein.  Nicht, weil sie nun von dem anstrengenden Nachmittag übermüdet war.  Nein, weil Papa da war. Das wurde mir gleich von meinen Gästen an den Kopf geworfen.
Mitten in der Nacht wurde Cora wach und quengelte. Karl hörte nichts davon, er hörte selten etwas, wenn er erst einmal im Reich der Träume weilte. Ich stand auf, um nach meinem Kind zu sehen. Cora quiekte vor Freude über meinen Anblick und gleich schossen mir die Ärmchen ungestüm entgegen, mir mit einem Finger direkt ins Auge hinein. Laut heulte ich vor Schmerz auf.  Dann fing das Auge an zu tränen und ich spürte förmlich wie es anschwoll. Karl stand von meinem Geheul erwacht, verschlafen in der Tür. „Was ist denn hier los?", fragte er. Als er die Sachlage erfuhr, nahm er Cora auf den Arm und tröstete sie.  Mich ließ man allein mit meinem Schmerz, dass hatte ich nun davon. Dann kam auch noch der Satz der mir gerade noch gefehlt hatte. „Warum weckst du mich denn nicht, wenn mit Cora etwas ist? Dann wäre das alles nicht passiert." Ich weiß auch nicht, aber ich hatte das untrügliche Gefühl das mein anderes Auge auch anfing zu tränen.  
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