ERMATTETE  ELTERN

Endlich wieder Zuhause. „Schau, Baby Cora, das ist dein Heim. Ist es nicht wunderschön? Du hast das schönste Himmelbett das es gibt! Oma hat es eigens für dich gemacht.  Du hast eine richtige Goldoma, weißt du das?" - „Bäh!", bekomme ich als Antwort und das äußerst schrill. Oje, das Kind hat Hunger.  Ich habe die Fläschchen ja noch gar nicht ausgekocht und mir  durchgelesen wie man die Milch anmacht.  Auch die Zeiten muss ich mir aufschreiben damit ich weiß wann die nächste Mahlzeit fällig ist.  Frische Windeln braucht sie ebenfalls.  Wo habe ich nur das Windelpaket hingelegt?  Oh, da fallen mir die vielen schönen Strampler ein, ich muss sie gleich umziehen.  Der eine ist so wunderschön und passt genau zu ihrem Himmelbett. Wo soll ich nur anfangen?  Ich komme mir jetzt schon gestresst vor und bin doch erst wenige Minuten mit dem Baby Zuhause.  Ist das, das viel gepriesene Mutterglück? Jemand muss erst mal das Kind beruhigen. „Karl nimm sie doch mal!  Trage sie ein wenig herum und wiege sie dabei leicht, vielleicht schreit sie dann  nicht mehr so schrecklich.  Ich muss die Flasche erst noch machen." Karl läuft mit unserer Cora in der Wohnung herum und singt leise kleine Brocken von Kinderlieder die noch in seinem Gedächtnis vorhanden waren.  Ich eile in die Küche.  Da schellt es.  Verdammt, wer ist das denn?  Ich eile zur Tür und bekomme einen ordentlichen Schreck.  Die lieben Nachbarn! „Herzlichen Glückwunsch der jungen Mutter! Wo ist denn das Goldkind?" Säuselt es mir entgegen. „Wir haben auch eine Flasche Sekt mitgebracht, das Baby muss doch begossen werden!", geht es auch schon weiter.  Ich werde von der Tür verdrängt und die lieben Nachbarn machen sich auf die Suche in unserer Wohnung das Goldkind zu finden. Und ehe ich mich versehe rennen alle hinter meinem Mann Karl her, der immer noch vergeblich versucht das Kind zu beruhigen. „Nein, wie niedlich. Ganz der Papa!" - „Aber auf keinen Fall!  Ich würde eher sagen man sieht doch gleich die Ähnlichkeit zur Mutter!" Spitze Entzückensschreie folgen.  Ohne es zu wollen halte ich mir in der Küche die Ohren zu.  Schließlich kommen sie auch zu mir in die Küche, und alle reden auf mich ein.  „Warum schreit das Kind denn so?" - „Hat es vielleicht Hunger? Haben sie daran schon gedacht?" - „Man sollte es ein wenig herumtragen und leise wiegen das es sich  beruhigt." - „Oder hat es gar die Windeln voll?  Sie sollten mal nachsehen." - „Was ist denn mit der Flasche, warum geben sie dem Baby denn nichts?" - „Ja, ja so sind die jungen Mütter. Kaum ist das Baby da, schon wird es ihnen zuviel. Sie werden noch lernen müssen die Ruhe zu bewahren." Wohlwollendes Schulterklopfen. Ich schaue zu Karl, der völlig ermattet mit unserem schreienden Baby auf einen Küchenstuhl sinkt.
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