Gebrechlichkeit gehört
nicht in die Öffentlichkeit.
Meine Töchter sind begeisterte Schlittschuhläuferinnen. Ich selber, noch nie auf diesen Dingern gestanden, bildete mir ein, es ihnen gleich tun zu können. Das ging sehr böse aus. Nach Monaten starken Schmerzen im Knie, nach dem einen Schicksalhaften Sturz in der Eishalle und danach falscher Behandlung des Arztes, wurde das Bein auch noch 4 Wochen mit einem Gips bedacht, und das der ganzen Länge nach. Mit den Krücken wurde es bald eine Plage, denn mein Nacken begann höllisch zu schmerzen wegen der Überanstrengung. Nun bin ich kein Mensch den man lange Zeit ans Haus binden kann, ohne das ich melancholisch werde. So besorgte mein Mann kurzerhand einen Rollstuhl, setzte mich hinein, und siehe da, alle Unternehmungen am Wochenende konnte man wieder gemeinsam machen. Nach 9 Wochen, mit Therapie usw., völlig wieder hergestellt, ging ich nichts Böses ahnend in unser kleines Dorflädchen zum Einkaufen. Dort bekam ich dann  empört zu hören, dass  es eine Schande sei mit einem Rollstuhl durch die Gegend zu fahren. Wenn man ein Gebrechen hätte, so solle man das in den eigenen vier Wänden ausheilen und erst dann wieder in die Öffentlichkeit gehen. Ich konnte nicht antworten, da ich über eine solche Aussage völlig perplex war. Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass sich tatsächlich das ganze Dorf darüber aufgeregt hätte, da man ihrer Meinung nur einen Rollstuhl benutzen dürfte, wenn man Querschnitts gelähmt sei. Und auch dann sollte man sein Leiden nicht mittels eines Rollstuhles mit dem man überall hinfährt zur Schau stellen.  Über solche Äußerrungen kann man entsetzt sein oder einfach nur den Kopf schütteln. Ich muss mir eingestehen, dass ich Ersteres war._
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