Hinter dem Rücken kann so manches nicht entzücken
Ich fühlte mich nicht gerade wohl in meiner Haut, Tür an Tür mit einer Frau ( Ulla ) zu leben, die kein Sterbenswörtchen mit einem sprach. Die man aber dafür um so mehr im Nachbargarten keifen hörte. Nicht sehr gemütlich das Ganze, wenn man einen entspannten Nachmittag auf der Terrasse verbringen wollte. Meinem Mann hingegen machte das rein gar nichts aus, er konnte darüber nur leise lächeln. Dennoch wollte ich gerne ein akzeptables Nachbarschaftsverhältnis schaffen und machte immer wieder den Versuch, sie zu grüßen um auf Antwort zu warten. Nach einigen Versuchen klappte das sogar und Ulla spielte wieder die Freundliche. Ich versuchte sogar wieder mit ihr ein wenig über den Zaun zu plauschen. Für sie ein willkommenes Unterfangen, denn was sie gut konnte war reden. Doch alles war wohl nicht so meisterlich von mir erdacht, denn schon kurze Zeit später erführ ich von
einer anderen Person,
die bei der Konfirmation
ihres Jungen wohl 20 Leutchen
aus dem Dorf eingeladen hatte,
dass Madam Ulla dort wohl die
tollsten Geschichten über uns
vor allen Anderen zu Besten
gegeben hatte. Geschichten
bei denen sich nicht nur meine Nackenhaare sträubten, auch dieser Frau, darum meinte sie auch dass ich es erfahren sollte. Storys die voll und ganz erlogen waren, aber sicher sehr unterhaltsam für die Dorfgemeinschaft waren. Unsere Ulla musste diese Unterhaltung wohl gesehen oder mitbekommen haben, denn am nächsten Tag , als ich den Garten betrat und sie gerade ihre Wäsche aufhängte, gewährte sie mich wiederum keines Blickes geschweige denn eines Grußes. War es das schlechte Gewissen, oder musste sie nun den Schein gegenüber den Anderen waren dass sie ja nichts mit uns zu tun hatte? Wir glauben aus Erfahrung heute, eher das Letztere. Denn nur so konnte sie ihre Geschichten als glaubwürdig gegenüber den Anderen darstellen. Ich trat die Flucht nach vorne an und rief zu ihr hinüber :" Guten morgen sagt man!" mit lehrerhafter Stimme. Völlig verdattert erwiderte sie: " Ich habe doch guten Morgen gesagt, aber da warst du sicher noch gar nicht da." Habe selten so einen Blödsinn bis dato gehört. Als sie sah, dass ich mich ihr näherte, bekam sie es mit der Angst, denn Rückgrad war noch nie ihre Stärke. Sie ließ den Wäschekorb doch glatt stehen und flüchtete ins Haus. Mein Mann der ebenfalls im Garten weilte, begann laut zu lachen. Dann klärte er mich auf. Als er den garten betrat hatte sie " guten morgen" hinüber gerufen, mein Mann aber nicht geantwortet ( da wie oben beschrieben nach wie vor gut auf sie verzichten konnte und es ihm nichts ausmachte). Sie hatte daraufhin ihn zurecht gewiesen: " Kannst du nicht mehr reden!" Und mein Mann, dreist wie nun mal ist " doch, aber kommt immer darauf an mit wem." In diesem Moment kam ich in den Garten und herrschte sie an warum sie nicht grüßt. Die Situation musste also ziemlich blöde für sie gewesen sein, daher wohl auch die Flucht. Wir mussten beide lachen. Der Knalleffekt war auch noch das unsere Tochter dieses Geschehen mit der Videokamera festgehalten hatte, weil sie zufällig damit auf dem Balkon hantierte. Dieses ist nun zu einem einmaligen Dokument geworden --Die letzten Worte die Ulla nach diesem Geschehen mit uns gewechselt hatte----. Dagegen ÜBER uns, darin war sie ja in Übung, gingen die Gespräche munter weiter. Wir wissen nicht alles was sie den Anderen über uns erzählte, aber das was uns zu Ohren gekommen war, kam schon einer Anzeige gleich. Diese haben wir aber niemals gemacht um den Frieden willens. Und Friede war nun auch, denn sie war uns gegenüber äußerst still geworden.  _
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