Frankenstein
Wir waren mit unserem Hausarzt eigentlich immer durchaus zufrieden, dennoch entschloss ich mich, der Bequemlichkeit halber ( da unser Arzt in der Stadt war ) , den neuen Dorfarzt aufzusuchen. Dieses sollte ich aber bitter bereuen. Ich hatte nichts Besonderes, lediglich einen Insektenstich in der Kniekehle der mir zu schaffen machte durch Anschwellung und Schmerzen. Eine gute Salbe würde ich dort sicher bekommen,  dachte ich.  Jedoch weit gefehlt! Der Doktor machte mir klar, dass eine Injektion unumgänglich wäre. Verstanden hatte ich es zwar nicht, dennoch ließ ich mich in dem guten Glauben an sein Doktorenwissen, darauf ein. Bisher hatte ich Frankenstein nur im Film gesehen, nun hatte ich die Gelegenheit die Gefühle ihm ausgeliefert zu sein, Selbst zu erleben. Während der Injektion bemerkte ich mit leichter Panik, dass mir die Sinne schwanden.
Mit letzter Kraft versuchte
ich dem Herrn Doktor dieses
klar zu machen, worauf er
sehr hektisch wurde und mir
sofort eine neue Injektion verpasste,
die meinen Kreislauf wieder auf
die Höhe bringen sollte. Als das
nicht viel half wurde er noch
hektischer und ich bekam eine
undefinierbare Dritte. Zum Weglaufen fehlte mir die Kraft aber meine Panik stieg ins unermessliche. Er meinte daraufhin, ich solle ganz ruhig liegen bleiben und auf jeden Fall noch zur Beobachtung eine Stunde in der Praxis verbringen. Kaum war mein Frankenstein aus der Tür, nahm ich all meine Kraft zusammen und schleppte mich aus der Praxis. Ich wollte nur noch nach Hause, wie auf der Flucht. Der Weg war nur ein paar Häuserreihen weiter, dennoch brach ich zuhause im Hausflur erneut zusammen. Mein Mann bekam einen gehörigen Schreck und telefonierte sogleich mit unserem Hausarzt in der Stadt um ihm Bericht zu erstatten. Der wiederum, völlig aufgebracht, telefonierte mit Frankenstein. Es stellte sich dann heraus, dass Frankenstein mir ein Mittel gespritzt hatte, dass nur in Kliniken bei akuter Lebensgefahr angewandt wurde. Da bei mir noch nicht einmal eine angehende Blutvergiftung diagnostiziert war, kam dieses Vorgehen des sogenannten Arztes einer schweren Körperverletzung gleich, die auch tödlich hätte enden können bei meinem labilen Kreislauf. Drei Tage lang war ich halb weggetreten und mein alter Hausarzt der mich wieder auf die Beine bringen wollte, tobte vor Wut über Frankenstein. Noch heute bekomme ich regelrechte Beklemmungen wen ich Letzteren auf der Straße begegne. Auch erfuhr ich erst viel später von Nachbarn, dass er eine kleine Allergie mit einer hochdosierten Cortisonkur behandelt hatte. Bei einer normalen Grippe kamen die Patienten an den Tropf, wo keiner mir sagen konnte was sich darin befunden hatte. Auch schien es an der Tagesordnung zu sein, wegen eines Rückenleidens innerhalb zwei Monaten 15 mal geröntgt zu werden.  Mir standen die Haare zu Berge. Dennoch gehen die Dorfbewohner nach wie vor dahin. Ich frage mich nur, wollen die alle gerne das Gruseln lernen, oder ist es einfach nur Dummheit? Mich wundert nur dass er in der Kürze eines Jahres, ein Riesenhaus mit Grundstück sich erstellen konnte zu privaten Zwecken mitten ins Dorf, und nicht, was wohl näher liegen würde, am Dorffriedhof. _
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