Fußball bis zur bitteren Neige
Irgendwann machte das Gerücht die Runde, dass mein Mann schon einmal Fußball gespielt habe und zwar als Torwart. Das Erstaunliche daran war nur, dass dieses Gerücht wirklich stimmte. Da der Fußballclub des Dorfes anscheinend einen Torwart benötigte, trat man an meinen Mann heran. Dieser war nicht abgeneigt, obwohl sein Lieblingssport immer Wasserball war, diesen jedoch nicht in der Nähe auszuüben war. So entschied er sich wieder für den Fußball als Alternative, nach dem Motto -- irgendeinen Sport sollte man betreiben um nicht einzurosten --.So verbrachten wir nun die Wochenenden auf dem Fußballplatz, wie wir es schon einmal vor Jahren getan hatten in der Stadt. Es hatte schon den Anschein, als wäre uns damit die Annäherung  an die Dorfbewohner geglückt, als mir schon wieder ein gravierender Fehler unterlief. In der Stadt waren wir es gewohnt, dass Fußball der ganzen Familie gehörte. Frauen und Kinder waren immer vertreten, auch anschließend im Vereinslokal, wo noch ein gemütlicher Ausklang stattfand. Ich dachte mir also nichts Böses dabei, als ich nach dem Spiel in die Vereinskneipe zu meinem Mann und den Anderen ging. Etwas erstaunt blieb ich in der Tür stehen, als ich sehen musste, dass ich die einzige Frau in diesem Raume darstellte. Recht zotige Bemerkungen der Spieler, ob ich meinem Mann hinterher spioniere, oder ihn gar aus der Kneipe holen wolle, versetzte mich doch in Erstaunen. Wir ließen uns aufklären und erfuhren, dass Frauen in die Küche gehörten und Männer auf den Sportplatz und in die Kneipe. Bis dato war uns nicht aufgefallen, dass das Dorf irgendwo in der tiefsten Türkei lag, aber jeder kann sich ja mal irren. Trotzdem machten wir gute Miene zum unmöglichen Spiel und mein Mann gab auch weiterhin auf dem Fußballplatz sein Bestes.
Drei Jahre später bekam er
ein Angebot als Trainer einer
jungen Wasserballmannschaft
aus der Stadt. Er war natürlich ganz aus dem Häuschen. Dieser neue Job nahm ihm bald voll und ganz in der Freizeit in Anspruch. Da lag das Notwendige nahe, mit dem Fußball  aufzuhören. Aber man wollte ihn auf keinen Fall gehen lassen. Wieder einmal war aus diesem Grunde große Konferenz im Vereinslokal angesagt. Als mein Mann davon wieder zurückkehrte, hatte er so ein teuflisches Grinsen in seinem Gesicht, dass mir Böses ahnen ließ. Was er mir dann jedoch berichtete, schlug dem Fass den Boden aus. " Sie wollten mich einfach nicht gehen lassen, immer hatten sie neue Argumente vorgebracht, egal was ich auch sagte. So blieb mir nichts anderes übrig als die Flucht nach vorne, um endlich Ruhe zu haben. Ich sagte, dass du es nicht mehr billigst und der Haussegen schon schief hängen würde. Als einer auch noch meinte, er wolle zu dir kommen um mit dir zu reden, konnte ich das nur abwimmeln mit dem Spruch - Das brauchst du erst gar nicht zu versuchen, da gehst du mit eingezogenem Schwanz wieder raus - Das hat man dann verstanden und die Sachlage war geklärt." Mir blieb nach seiner Story im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg. " Jetzt muss ich alles ausbaden, ich kann mich ja kaum noch auf die Straße trauen" sagte ich entsetzt. " Ach die Anderen können uns doch egal sein" meinte mein netter Mann. Mein Ruf war also nun in dem Dorf auf den Nullpunkt angelangt. Trotz immerwährender Versuche einer Richtigstellung der Sachlage, wurde mir nicht geglaubt. Ich war nun mal der weibliche Satan des Dorfes. Wenn auch nur einer hätte logisch denken können, hätte er diesen Spruch meines Mannes als Scherz erkannt. Denn jeden Sonntag war ich auf dem Platz vertreten gewesen mit vollem Elan und fachsimpelte sogar mit dem Trainer dort. Aber warum sollte man nicht auch an das Paradoxe glauben, wenn es doch viel interessanter ist._


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