Wir, eine bis dato ganz normale Familie ( dachten wir zumindest), in dem irrsinnigen Glauben und Hoffen, dass unsere Kinder auf dem Lande ein schöneres Leben haben werden, als wir es gewohnt waren in der Großstadt, zogen in dieses idyllische Dorf, in eine ebensolche Wohnung mit einem ebensolchen Garten. In der unausbleiblichen Hetze am ersten Tag des Umzuges, kommen auch gleich die ersten Dorfbewohner, um mit uns Neuen einen Begrüßungstrank und damit auch, uns in engeren Augenschein nehmen zu können.
Ein wenig störend war es schon,
zumal wir inmitten des Umzuges
nicht auf einen solchen
Getränkeandrang vorbereitet waren. Trotz allem angenehm überrascht über soviel Anteilnahme, wurde alles stehen und liegen gelassen und das Fehlende eilig besorgt. Freundlich stieß man mit den neuen Nachbarn und stellte sich gegenseitig vor. Wobei man schon die Befürchtung hegte sich all die vielen neuen Namen nicht merken zu können so schnell. Ebenso viel war im Übriegen auch die Menge die, die netten Leute sich da einverleiben konnten, ohne ihre Standfestigkeit zu verlieren. Das Resultat war Letzteres so zuzusetzen, dass auch dieses nicht mehr gegeben war, dann schienen alle schwankend zufrieden zu sein. Völlig ermattet stand unsereins dann zwischen den vielen Kartons, mit der Gewissheit, am ersten so wichtigen Tag, rein gar nichts geschafft zu haben, außer den Leuten bereitet zu haben. Doch da man uns versicherte dass das so üblich sei im Dorf, waren wir gewiss, dem genüge getan zu haben. Doch später stellte sich heraus, dass wir drei gravierende Fehler begangen hatten. Erstens nicht mit der Trinkmenge der Anderen standgehalten zu haben, zweitens dass wir die Eitelkeit besessen hatten nicht allen uns bis dato völlig fremden Menschen das Du angeboten haben und drittens die Tatsache dass wir in moderner Kleidung, ja auch noch ich geschminkt, angetreten waren, obwohl dazu kein Anlass bestand wie z.B.: ein Dorffest oder Ähnlichem. Schon am folgenden Tag sollten wir es zu spüren bekommen. Die Leute waren nicht mehr so nett und aufgeschlossen wie am Tag zuvor, eher eine zurückhaltende Freundlichkeit war zu spüren, an deren Ehrlichkeit aufkommen ließ. Erstaunlich war jedoch, dass wir bereits dem gesamten Dorf mit Namen bekannt waren, obwohl wir doch nur ein Bruchteil dessen leidlich kennen gelernt hatten. Peinlich war, dass, wie ich schon vermutete, uns tatsächlich die meisten Namen derer entfallen waren die sich eingangs bei uns vorgestellt hatten. Wie dumm musste es dann aussehen den Einzelnen zu fragen " Wie war noch der Name?"  So ließ man es in der Hoffnung, durch Zufall wieder auf diese zu stoßen und begnügte sich mit einem netten " Hallo " auf der Strasse. Dieses hatte aber zur Folge, eine schlimme Brut zu sein, ohne Manieren, da man nicht die gebotene Höflichkeit besaß, die Leute mit Namen anzureden. Unangenehm auch die Tatsache, die daraus folgte. Kleine Ansammlungen von Menschen auf der Straße oder in dem kleinen Lebensmittelladen waren ständig in Gesprächen vertieft, die abrupt erstarben, wenn man dessen Hörweite erreicht hatte. Eine etwas irritierende Situation für unsereins. So hielten wir es logischerweise damit, die Leute zu grüßen, die mit uns sprachen und die Leute nicht zu grüßen, die über uns sprachen. Letztere schienen deutlich in der Überzahl zu sein. Und durch unser Verhalten schafften wir uns Feinde ohne diese zu wollen oder gar vorauszusehen. _

Der Umzug
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