Weiteres aus der Partnervermittlung:


Außendienst


Außendienste sind etwas besonders "Schönes". Es handelt sich dabei um Kunden die keine Gelegenheit finden für ein Gespräch ins nächstgelegene Büro zu kommen, also über kein Fahrzeug verfügen und sich nicht trauen mit dem Bus oder der Bahn zu fahren. Diese sind immer mit Vorsicht zu genießen.
Gewöhnlich finden somit diese Außendienste auf dem Lande statt. Einen bestimmten Kundenbesuch wird Hedda so schnell nicht vergessen. Sie hatte die Adresse, fand auch das Dorf, aber an der Stelle wo das Haus hätte stehen müssen , befand sich nur eine halb verfallener Kotten der gespenstisch aussah.
Nach langem Suchen traf sie endlich
einen Menschen auf der Dorfstrasse
und sie erkundigte wie sie das Haus
von Herrn Kloch finden solle. Mit großem
Erstaunen sagte man ihr, dass er in dem
Kotten wohnte. Mit mulmigem Gefühl machte
sich Hedda wieder auf den Weg dorthin.
Als sie vor dem " Haus" aus dem Wagen stieg,
blieb sie sogleich mit ihren Stöckelschuhen
im Schlamm stecken und Fluchte leise
vor sich hin. Der Weg zum Haus war mehr
ein vorsichtiges Trippeln als ein Gehen,
denn der Weg war alles andere als begehbar.
Keine Klingel, kein Lebenszeichen aus
dem Haus war zu erkennen. Hedda schaute
sich in der Umgebung um und sah schließlich
einen Mann auf dem naheliegenden Feld
auf einem Traktor sitzen. Wild mit den Armen
winkend machte sie auf sich aufmerksam.
Gott sei Dank, er hatte es bemerkt und
stiegt von seinem Gerät. Ein großer, schmutziger Klotz kam brummend auf sie zu. "Was wollense denn, is was passiert?" "Guten Tag, ich suche verzweifelt den Herrn Kloch, Siemensweg 10, können Sie da weiterhelfen?" fragte Hedda schon leicht unsicher. "Watt denn, Kloch bin ich, was wollnse denn von mir, wer sind Sie überhaupt", kommt es unwirsch aus seinem Munde und dieser gab seine gelben und Zähne preis. Gleichzeitig ging sein Blick abschätzend über Hedda hinweg. Nein, das gefiel ihm nicht, was er da sah! Eine Dame, elegant gekleidet mit Pumps an den Füßen, und das mitten auf seinem heiligen Grundstück. Ein wohlgeübtes Lächeln in Heddas Gesicht machte sich breit. "Aber Herr Kloch, da bin ich aber froh, dass ich Sie doch noch gefunden habe. Wir hatten heute einen Termin vereinbart, ich komme von der Partnervermittlung...." "Watt denn, Sie wollen mir heiraten? Wo haben Sie denn Ihre Sachen? Mit diesen Plünnen kann ich Sie nicht gebrauchen. Nun ja, gehen Sie erst einmal ins Haus und machen Sie da sauber, ich komme gleich. Kochen können Sie ja wohl auch?" Hedda schluckte "Nein Herr Kloch, ich bin nicht die Frau, die Sie heiraten will. Ich bin die Beraterin des Vermittlungsinstitutes. Wir müssen uns doch erst einmal unterhalten und über die Vermittlungsbedingungen sprechen." Große, verständnislose Augen, dann ziehen sie sich zu einen schmalen Schlitz zusammen und er sagt unwirsch "Nix da, Vermittlungsbedingungen, Sie wollen doch alle nur mein Geld! Erst die Frau, dann das Geld." "Herr Kloch, trotzdem müssen wir erst einmal miteinander reden, auch und im Besonderen über die Frau, die Sie sich wünschen. Meinen Sie nicht, wir sollten für einen Moment ins Haus gehen, da redet es sich leichter." Schlurfend ging er voran, ständig vor sich hin schimpend, dass alle nur sein gutes Geld wollen. Hedda hüpfte in ihren Pumps hinter ihm her und hatte große Mühe über die dicken Bohlen zu steigen, die den Eingang (wenn man ihn als solches bezeichnen wollte) vor den großen Pfützen schützte. Als sie den Flur betraten, glaubte sie ersticken zu müssen an dem Gestank, der sie umgab. Stolz präsentierte er ihr jedoch seine "gute" Stube. "Setzen Sie sich,
man ist ja kein Unmensch",
meinte er schon versöhnlicher.
" Wollnse Kaffee oder so was, hab ich
schnell gemacht. Das kann ich alles,
bin schließlich schon einige Jahre
lang alleine. Aber es ist doch besser,
wenn eine Frau ins Haus käme, auch
der Erben wegen, ich will ja auch
noch Kinder haben, verstehnse?"
Hedda hatte sich in der Zeit
umgesehen und konnte keinen
Platz ausfindig machen,
wo sie sich hätte setzen mögen.
So sprach sie einfach im Stehen weiter.
"Herr Kloch, Sie sind 65 Jahre und
möchten noch Kinder haben?"
"Aber sicher, wer soll denn das alles
erben, wenn nicht meine Kinder?
Aber kommen Sie mir nicht mit ner Frau, die selber Kinder hat, die wollen doch alle nur mein Geld. Nein, jung muss sie
sein und gesund und kochen können und noch Kinder kriegen. Sie kann sofort hier einziehen, ich habe ja alles, das Haus, den Hof, was sollte sie mehr wollen, und Platz ist genug da. Wartense einen Moment, ich mach uns mal nen Kaffee." Nein, den wollte Hedda nicht auch noch! Sie wollte einfach raus aus diesem Kotten, der Mann war sowieso nicht vermittelbar. Aber wie sollte sie das anstellen? "Aber das werden wir schon schaffen Herr Kloch, dafür sind wir ja da. Doch die Vermittlungsgebühr beträgt 7000,00 DM Herr Kloch und wir müssten den Vertrag noch zusammen machen." Herr Kloch, der gerade willens war, den Kaffee zuzubereiten, stand plötzlich da wie eine Salzsäule. Hedda wartete gespannt ab. Der Ausbruch kam wie erwartet und doch war er ein wenig zu heftig! Hedda rannte trotz Pumps über die Bohlen durch den Matsch vom Hof auf ihren rettenden Wagen zu, während ein schmutziger, gröhlender, dicker  Mann ihr mit einer Mistforke in der Hand schnaubend folgte. Außendienste sind eben immer mit äußerster Vorsicht zu genießen!